Dritter und letzter Teil: Heimfahrt mit Umwegen | ||||||||
Genüßlich schlürf ich den Capuccino, setz mich aufs Moped und denk mir: Schau mer mal was ich aus dem anfänglich beschriebenen Sahnehäubchen machen kann. Nach dem einbiegen auf die Hauptstraße erlebe ich einen furiosen Start. Zwei Twins mit niederbayrischen Nummernschildern tuckern an mir vorbei. Wir lassen Pisciadello hinter uns und ich hab einige Mühe, den beiden Burschen, die jetzt voll in Fahrt sind, durch die Kehren des Berninapaßes zu folgen. Zu meiner Entschuldigung ist der Grund sicher der volle Magen. Sie biegen leider Richtung Livigno ab, ich fahr auf die Paßhöhe. Dort angekommen ist wieder ein Beweißfoto fällig. Schon geht's weiter und im Nu hab ich die Strecke bis St. Moritz hinter mir gelassen. Bis Silvaplana überleg' ich eine zeitlang ob ich der Büntner Nußtorte widerstehen soll, die mich wahrscheinlich auf der Paßhöhe des Julierpaßes erwartet. Aber ich bin der Versuchung nicht erlegen. Einmal ist's für den Nachmittags- Kaffee zu früh. Dann kenn ich den Julierpaß schon und hatte mir doch vorgenommen, wenn's zeitlich paßt über den Malojapaß zu fahren. | ![]() | |||||||
![]() | Entspannt gleiten meine Goldie und ich also am Silvaplaner und am Silser See entlang. Die Ortschaft Maloja ist schnell passiert. Am Ortsende mal ein anderes "Beweisfoto" mit dem Maloja Kulm, einem alten Hotel, über dessen Qualitäten ich aber nichts berichten kann, denn ich bin ja auf mehr oder weniger direktem Weg nach Hause. Ein paar Meter weiter zwingt mich ein berauschendes Alpenpanorama erneut zum Anhalten. Ich nehm an, das die Gipfel im Hintergrund der Piz Piot und das Gletscherhorn sind. Weil ich nicht damit beschäftigt bin, Berge zu katalogisieren, ist das aber weniger wichtig. Das faszinierende an diesem Tag ist das Zusammenspiel von ausgefeilter Fahrwerkstechnik mit einem gezähmten brachialen Antrieb, beschauliche und gleichzeitig gewaltige monumentale Natur und Berg- Kulissen. Das Tüpfelchen auf dem i macht das Wetter, das jeden Blick in Richtung Horizont zum Anischtskartenmotiv werden läßt. | |||||||
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Vom berauschenden Alpenpanorama gehts nahtlos über zum berauschenden Paßerlebnis: Der Malojapaß windet sich 3 km in engen Serpentinen den Berg hinunter. Mit weiteren 29km Fahrtstrecke taucht Chiavenna auf. Der vorerst niedrigste Punkt mit einem Höhenunterschied von 1482 m gegenüber Maloja ist erreicht. Trotz Staunen über das schöne italienische Städtchen konnte ich mir leider keine Zeit zum Siteseeing nehmen und hab auch nicht die Abzweigung Richtung Splügenpaß übersehen. Mehrere Autos nerven zuerst auf der kurvenreichen schmalen Straße. Nachdem ich mir etwas Überblick verschafft habe, ist die Leistung der Maschine allerdings ausreichend, um ohne gefährliche Einlagen zuerst an die Spitze der Kolonne zu kommen und mich dann von den vierrädrigen Gefährten abzusetzen. In Campodolcino röhrt ein Zweitakter die engen Gassen hoch. Als er zum wiederholten Mal in Kurven extrem abbremst, wirds mir doch zu bunt. Es ist eine der wenigen Situationen, in denen ich herunterschalte und die Maschine nahe an 10000 U/min. bringen muß. Gleich bin ich froh über den Überholvorgang, als sich der folgende Streckenverlauf außerhalb der Stadt anregend kurvig gibt. Es taucht eine Kehre mit Galerie auf. Ein Fahrer mit Wohnmobil ist etwas überfordert, muß zurückstoßen und ehe die wartenden Autofahrer kapieren, das sie auch etwas zurücksetzen müssen, hab ich den ganzen Pulk überholt und freu mich über die leere Straße. | ||||||||
![]() | In einer Mammuttour wie dieser ist jede Menge Fahrspaß garantiert. Ein Nachteil ist jedoch die Fülle der Eindrücke, die mich spätestens zum jetzigen Zeitpunkt überwältigt. Von der Splügenstraße sind nur noch die mit Galerien überdachten Tornantes hängengeblieben und die Abfahrt des Splügenpasses, die sich in einer wiesenbewachsenen Landschaft wie ein Bandwurm gleichmäßig bis nach Splügen hinunterwindet. Als ich den Ort Splügen passiert hab', bin ich froh, das ich ohne Autobahnvignette durch die Schweiz fahren wollte. Die jetzt folgende reizvolle kurvige Strecke im Tal des Hinterrheins hat jede Menge optische Eindrücke aufzuweisen - gleichzeitig willkommene Abwechslung zu den Paßstraßen. Zwei ausgeprägte Naturschauspiele sind die Rofla-Schlucht und die Via Mala. Das Foto belegt's auf eindrucksvolle Weise. | |||||||
![]() | In Thusis reicht's dann erst mal. An einem Straßencafe finden sich einige Tische, besetzt durch gleichgesinnte Zeitgenossen. Ein angeregter Smalltalk quer durch die Runden ist bereits bei meiner Ankunft im Gange. Für mich ist's Zeit für eine zeitliche Zwischenbilanz und die Entscheidung über den Rest der Strecke nach Hause. Mit Kaffee und Kuchen gestärkt und durch Cola zusätzlich aufgeputscht fahr ich erst ein paar km nach Tiefencastel. Die Haya ist auch ganz schön durstig und bekommt ihren "Rachen" voll bis oben hin. Schließlich erhält die Kette noch Ihre Pflegeschicht mit PTL. Ich kann mich einfach noch nicht zum direkten Weg nach Davos zwingen und biege ins Albulatal ab. | |||||||
![]() | Der überdimensionierte Schlitten am Ortsrand von Bergün weist auf die bevorstehende Wintersaison hin. Vom fahrerischen Können her verlangt der Albulapaß zwar wenig, ist aber landschaftlich interessant und nicht so langweilig wie ausgebaute Bundesstraßen. Ein Stück auf der B27 über Zernez bis nach Susch muß ich in Kauf nehmen. Dann gehts zum letzten Paß dieser Tour, dem Flüelapaß. | |||||||
Noch ein obligatorisches Beweisfoto auf der Paßhöhe des Flüelapasses bringt mir wieder mal ein Zugpferd vor die Maschine. Ein Österreicher mit Bregenzer Kennzeichen und einer 1000er hält an und läßt irgend einen Supersportler weiterfahren, der sich anscheinend ans Hinterrad geheftet hatte und nicht besonders willkommen war. An die freigewordene Stelle häng' ich mich sofort, bemühe mich aber nicht zu sehr aufzufahren, damit ich etwas länger gedultet werde. Den Flüelapaß hinunter und weiter bis Klosters machts Spaß. Dann wirds etwas langweiliger. Die Strecke Klosters - Landquart - Bregenz ist absolut zum abgewöhnen. Für diesen Abschnitt empfielt es sich mehr Zeit einzuplanen und eine Alternativroute (eventuell über's Furkajoch, Gschwend und Scheideck oder westlich von Vaduz über Wattwil, evtl. über die Schwägalp Paßhöhe, das Appenzeller Land und Altstätten) zu wählen oder die für 1 Jahr relativ preiswerte Schweizer Autobahn-Vignette anzuschaffen. | ![]() | |||||||
Ein zugestoßener Liechtensteiner mit einer Triumph bringt etwas Würze in die Fahrt durch den relativ geraden Streckenverlauf. Entweder weis dieser Bursche, das sein kleines schwarzes Kennzeichen nicht lesbar ist, wenn er schnell genug fährt und er sich sowieso gleich hinter die Grenzen seines Fürstentums zurückziehen kann oder die Landsmänner mit diesen schwarzen Nummernschildern genießen Narrenfreiheit in einem Land, in dem Geschwingkeitsübertretungen schwer bestraft werden. Gegenseitig angestachelt fahren wir zu dritt mit einem Tempo, das sich, gerade noch - wie soll ich mich ausdrücken - an der Grenze des Erlaubten bewegt. Ein kleiner Ausflug durchs Liechtensteiner Land bietet die letzte Kurvenrunde. Inzwischen hat die Dämmerung eingesetzt und das Verwirrspiel der Österreicher, die Bregenz nur jeweils in Richtung Autobahnauffahrt ausschildern, macht die Strecke von Feldkirch bis zum Bodensee auch nicht angenehmer. Nach Lindau geht's auf die Autobahn und nach einigen km wird der Verkehr flüssiger. Ich laß die Haya laufen, muß noch einen Tankstopp einlegen und komm' dann allerdings nicht wie versprochen bei Tageslicht zu Hause an, sondern irgendwann nach Mitternacht. - Aber schuld waren ja einzig und allein die Österreicher mit ihrer unmöglichen Verkehrsführung vor Bregenz. Zusammenfassung: Strecke ca. 1600 km, Zeit 1 WE (26. - 28.08.05) 1 Gipfel (Rote Wand bei Lech) Pässe: Gaicht-, Flexen-, Arlberg-, Finstermünz-, Reschenpaß. Stilfser Joch, Umbrailpaß, Pso d. Foscagno, Pso di Eira, Forcola di Livigno, Berninapaß, Maloja-, Splügen-, Albula-, Flüela- und Wolfgangpaß. | ||||||||
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