Der rollende 2. Teil der Tour Als hätts so sein sollen: als preiswerte Alternative im Internet gewählt, entpuppt sich das Hotel als freundlicher heller Neubau, der nach einem Brand im alten Stil wiederaufgebaut und kürzlich fertiggestellt wurde. Die Homepage wurde noch nicht geändert (wie soll man nach so einer Action auch noch für die Homepage Zeit haben? Zwischenzeitlich sind die Internetseiten neu gestaltet: Hotel CRUSCHALBA in Sta. Maria. Ein interessant gestalteter Empfangsteil mit Gaststube und separatem Frühstücksraum führt zu einem sorgfältig dekorierten winkeligen Treppen- Dielenbereich, durch den der kleine Aufzug völlig uninteressant wird. Die großen hellen Zimmer mit geräumigem Sanitärbereich und der Balkon mit wunderschönem Ausblick machen aus der Übernachtung als notwendiges Übel einen Aufenthalt, an dem Körper und Seele Entspannung finden. Nur die Küche hat mich enttäuscht. Durch die nahe Grenze zu Italien war ich sicher, später am Abend noch mit allen Raffinessen verwöhnt zu werden. Doch weit gefehlt: mir blieb nur die Auswahl aus den kalten Speisen. Fast wär ich auf Wanderschaft gegangen, um mir eine noch offene warme Küche zu suchen, die mit einer leckeren Pasta nicht nur Gaumenfreuden bereitet, sondern auch notwendige Energiereserven zurückgibt. Durch die Ungewissheit des Erfolgs bleib ich im Hotel. Ich such mir also einen gsunden Salat mit einem ganzen Kübel Bier aus und gönn mir nach dem Espresso noch ein Glas Wein. Plötzlich werd ich recht vertraut von ner Frau angesprochen: wie meine Tour denn aussehen würde, denn ich wär doch Biker!? Mir fällt auf, das sichs ja nicht verleugnen läßt nachdem ich für Schuhe im Gepäck keinen Platz mehr hatte und mit den Stiefeln zum dinieren unterwegs war. Sie gehört zu einer Familie mit Mann und Sohn. Ich wundere mich bei der dann entflammten angeregten Diskussion übers Motorradfahren etwas, weil ich sie gedanklich einem Cabriolet zugeordnet hatte, das vorm Hotel parkte. Bei der gemeinsamen Abreise stell ich später jedoch fest, das Sie eine Varadero oder irgend so eine Reiseenduro und er mit Sohn als Sozius eine alte BMW fährt. Früh gehts ins Bett und die Bergwandertour hat sicher nicht wenig dazu beigetragen, das ich nicht lang auf den Schlaf warten muß. Etwas staun ich am Morgen dann schon, als ich ziemlich fit und erholt schon vor sechs Uhr aus den Federn steig. Herrlicher Ausblick am Balkon, unter 10° C am Thermometer, also muß die Thermowäsche unter den Lederkombi. Weiter oben ists ja noch kälter! Rein in die Montur und die kleine Stilfser-Umbrail-Tour vorm Frühstück kann losgehen. Denkste! Unten an der Hofeinfahrt angekommen, muß ich natürlich feststellen, das das Tor zum Hotelparkplatz geschlossen und versperrt ist. Wollte ich mir über Nacht auch gewünscht haben, naja also zurück: geht auch nicht. Der Zimmerschlüssel paßt nicht in die Eingangstüre! Soll ich die Wirtsleut wachklingeln? Nur keine Panik, denk ich mir und schick erst mal einen telefonischen Morgengruß übers Handy nach Hause. Wenige Minuten später hat sich die Warterei gelohnt, denn das Tor wird aufgeschlossen und ein Pedalritter hats geschafft, noch vor mir loszufahren. | ||||||||
Jetzt endlich kanns losgehen. Ohne Gepäck genieße ich schon das Einfahren von Sta. Maria nach Müstair. Die ziemlich gerade Strecke von Glorenza über Prato nach Gomagoi läßt mich einige lange Blicke auf schöne Landschaften und Orte werfen - und dann ist sie nach einer kleinen Baustelle plötzlich vor mir: Ätzend holprig, durch die Baustelle schlecht anzufahren, ohne eine Möglichkeit, den Radius noch zu vergrößern, dirigiere ich die Haya gerade noch ohne einen | ![]() | |||||||
Fuß abzusetzen durch die erste Kehre! Na, wenn das so weitergeht? Aber der Paß zeigt sich sonst von seiner schönsten Seite. Kehre um Kehre machts mir mehr Spaß. Meine Goldie und ich haben das Stilfser Joch ganz alleine für uns. Nur ein paar Radler schrecken wir beim hochbeschleunigen aus den tornanti mit 2 - 3 U/min. auf. Irgendwann ist die Baumgrenze erreicht und an mehreren Stellen läßt es der Streckenverlauf zu, das ich das gigantische Geschlängel nach oben und nach unten mit den Augen nachverfolgen kann. Das fasziniert mich dermaßen, das ich anhalten muß und die Maschine kurz abstelle. Nach ein paar Minuten laß ich die Räder wieder rollen und fahre bis zur Paßhöhe, auf der der Touristenrummel langsam beginnt. Dann ein paar tornanti auf der anderen Seite runter, durch die Grenze und der Umbrailpaß beginnt. Herrlich weit sind hier die Radien der Kehren und schaffen einen schönen Ausgleich zum Stilfser Joch. Der in Tourenbeschreibungen angekündigte Schotterteil der Strecke hält sich in Grenzen und ist genauso schnell wieder verschwunden wie er aufgetaucht ist. Nach ein paar weiteren Kilometern auf geteerter Straße ist Sta Maria bald erreicht und kurz nach der Einmündung auf die Hauptstraße bin ich nach etwas mehr als einem Stündle Fahrtzeit hungrig am Hotel angekommen. | ||||||||
![]() | Nach getaner „Arbeit stürze ich mich auf das Früstücksbufett und verzehre einiges mehr als das sonst gewohnte Marmeladen-Brötchen oder Butterhörnchen. Frisch gestärkt ist das Packen und Beladen schnell geschehen, der Hotelier muß wegen seiner falschen Angaben im Internet bei der Rechnung (Strafe muß einfach sein) ein paar Fränkli bluten und schon kann die "Heimfahrt" losgehen. Zuerst fahr ich im Ort ein paar Kilometer auf und ab, ohne eine Tankstelle zu finden und beschließe dann, das das Benzin bis Bormio reichen muß. Also wieder eingebogen in die Seitenstraße und wieder zum Umbrailpaß. Diesmal den Berg hoch. Außer auf dem Schotterstück erlaub ich mir diesmal etwas hochtouriger zu fahren und genieße das volle Kurvenvergnügen. Bevor ich nach der Mündung ins Stilfser Joch Richtung Bormio abbiege, fahr ich erst nochmal hoch zur Paßhöhe und muß dort den vollen Tourie-Rummel erleben. | |||||||
Leider hab ich mir nicht viel Zeit genommen um mehr Bilder zu schießen. Motive gibts genug. Bei der Fahrt hinunter nach Bormio fahr ich wieder durch eine traumhafte Gebirgslandschaft, nehm mir Zeit, einen Wasserfall zu bestaunen und lande schließlich in der Stadt. Bei der Abzweigung Richtung Livignio bin ich etwas enttäuscht, das ich tanken muß, denn eine Gruppe Italiener schwirrt mit interessanten Maschinen an mir vorbei. Aber es hilft nichts: Tanke gesucht und erst mal Vorsorge für den Durst des 1300 ccm Motors getroffen. Dann ein paar Kilometer zurück und weiter zum Passo di Foscagno. Immer wieder stehe ich vor der Entscheidung zwischen Fahrspaß und Kurvenvergnügen auf der einen Seite und dem Genuß der Landschaft und vieler einzelner Details auf der anderen Seite. Auf dem Passo di Foscagno wird mir diese Entscheidung genommen | ||||||||
![]() | Als ich auf der Paßhöhe ankomme und gerade ein Bild geknipst habe erkenn ich die Gruppe der Italiener wieder, als sie sich gerade zu Weiterfahrt fertigmacht. Die Gelegenheit laß ich mir nicht entgehen. Schnell sind Handschuhe und Helm wieder an der richtigen Stelle und ich stell fest, das irgendwo in mir noch eine Anzahl männlicher Hormone vorhanden sein muß. Ein Schwall langer schwarzer Haare läßt sich nicht vollständig unter dem Helm verstecken und weht im Fahrtwind einer sich schnell beschleunigenden R1. Dies muß ein ganzes Stück dazu beigetragen haben, das ich die Biker im Nu eingeholt hab und voll Begeisterung an der Spur der Maschine klebe. Nach einigen Kurvenpassagen muß es dem Mädel anscheinend etwas eng am Hinterreifen geworden sein und sie läßt sich mit ein paar anderen etwas zurückfallen um kurz danach wieder aufzuschließen. | |||||||
![]() | Dadurch in die Mitte der Gruppe geraden macht mir das Kurvenheizen so viel Spaß das ich nicht mal registriere, als wir an der Paßhöhe des Pso. DEira vorbeifahren. Als wir schließlich über Livigno und den Forcola di Livigno am Berninapass ankommen, geht meine Reise alleine in Richtung Pisciadello weiter. Dort angekommen muß ich erst mal die ganze Stadt durchqueren ohne ein geeignetes Plätzchen für die Mittagspause zu finden. Erst als ich zurück in den Stadtkern fahr und dann quer durch die Gassen mitten in der City bin, werde ich gegenüber dem Hotel Suisse auf der Terasse des Ristorante Cafe Flora nicht enttäuscht. Leckere italienische Pasta mit allem was man sich dazu vorstellt macht es mir schwer, die Fahrt nach kurzer Pause fortzusetzen. Aber mich entschädigt der Berninapass, der jetzt in voller Länge vor mir liegt. | |||||||
Zurück INHALT Fortsetzung | ![]() | |||||||